Wenn der Darm aus dem Takt gerät
Verstopfung gehört zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden überhaupt. Sehr viele Menschen und auch sogar Kinder sind betroffen. Dennoch wird nur selten darüber gesprochen. Viele Betroffene nehmen die Beschwerden über Monate oder sogar Jahre hin und gewöhnen sich an einen Zustand, der eigentlich nicht normal sein sollte.
Dabei hat unser Darm einen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden, unsere Energie, unser Immunsystem und letztendlich auch darauf, wie gesund wir altern. Ein gesunder Darm ist eine wichtige Grundlage für Lebensqualität und Gesundheit.
Was bedeutet Verstopfung eigentlich?
Von einer Verstopfung oder Obstipation spricht man, wenn der Stuhlgang erschwert, zu selten oder unvollständig ist. Typische Anzeichen sind:
• Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
• Starkes Pressen beim Toilettengang
• Harter oder trockener Stuhl
• Das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung
• Das Gefühl, dass „noch etwas zurückbleibt"
Häufig treten zusätzlich Beschwerden auf wie:
• Blähungen
• Bauchschmerzen
• Völlegefühl
• Krämpfe
• Übelkeit
Viele Betroffene berichten außerdem von einem allgemeinen Unwohlsein und dem Gefühl, „nicht richtig frei" zu sein. Ist es normal, nur alle drei Tage Stuhlgang zu haben?
Diese Frage wird häufig gestellt. Grundsätzlich gibt es individuelle Unterschiede. Manche Menschen haben dreimal täglich Stuhlgang, andere nur jeden zweiten oder dritten Tag.
Entscheidend ist nicht nur die Häufigkeit, sondern wie man sich dabei fühlt. Fragen Sie sich einmal selbst: Wie fühlen Sie sich, wenn der letzte Stuhlgang bereits zwei oder drei Tage zurückliegt? Fühlen Sie sich leicht, energiegeladen und beschwerdefrei? Oder eher aufgebläht, schwer, träge und unwohl?
Auch wenn ein Stuhlgang alle drei Tage medizinisch nicht automatisch krankhaft sein muss, ist ein täglicher Stuhlgang aus Sicht einer gesunden Verdauung oft vorteilhaft.
Wie entsteht eine Verstopfung?
Verstopfung entsteht in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Oft entwickelt sie sich über Monate oder Jahre hinweg.
Im Darm wird dem Stuhl während seiner Passage Wasser entzogen. Verweilt der Stuhl zu lange im Dickdarm, wird ihm immer mehr Wasser entzogen. Dadurch wird er hart, trocken und lässt sich nur noch schwer ausscheiden.
Man spricht von Darmträgheit, wenn die Darmmuskulatur zu träge wird, um den Stuhl mit ausreichendem Tempo durch den Darmkanal zu befördern.
Die häufigsten Ursachen
Zu wenig Ballaststoffe
Ballaststoffe sind die Nahrung für unsere Darmbakterien und sorgen für Volumen im Darm. Eine ballaststoffarme Ernährung mit vielen verarbeiteten Lebensmitteln, Weißmehlprodukten und Zucker kann die Darmtätigkeit verlangsamen. Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und ballaststoffreiche Vollwertkost unterstützen dagegen eine gesunde Darmfunktion.
Zu wenig trinken
Ballaststoffe können nur dann optimal wirken, wenn ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Wer wenig trinkt, riskiert einen trockenen und harten Stuhl. Der Darm entzieht dem Darminhalt zusätzlich Wasser, wodurch die Beschwerden weiter zunehmen können.
Ungünstige Darmflora
Unsere Darmbakterien spielen eine entscheidende Rolle für die Verdauung. Ein Ungleichgewicht der Darmflora kann die Darmbewegung beeinflussen und Verdauungsbeschwerden begünstigen.
Um einen genauen Überblick zu bekommen empfehle ich oft eine Stuhllabordiagnostik. Dann bekommen Sie von mir das notwendige Material mit nach Hause und senden die Stuhlprobe direkt an das Labor.
Stress
Der Darm und das Nervensystem stehen in engem Austausch. Dauerstress kann die Verdauung erheblich beeinflussen. Manche Menschen reagieren mit Durchfall, andere mit Verstopfung. Ein Lebensstil mit wenig Bewegung und dauerhaft hohem Stresslevel belastet den Darm oft erheblich.
Bewegungsmangel
Bewegung bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern auch den Darm. Viele Menschen sitzen den größten Teil des Tages. Die Folge: Der Darm wird zunehmend träger. Bereits regelmäßige Spaziergänge in der Natur können die natürliche Darmbewegung fördern und Stress minimieren.
Medikamente
Auch Medikamente können eine Verstopfung begünstigen. Dazu gehören beispielsweise:
• Schmerzmittel
• Antidepressiva
• Blutdruckmedikamente
Unterdrückung des Stuhldrangs
Viele Menschen ignorieren ihren natürlichen Stuhldrang aus Zeitmangel oder Gewohnheit. Wird der Toilettengang immer wieder verschoben, kann sich die natürliche Darmfunktion langfristig verändern.
Wann spricht man von einer chronischen Verstopfung?
Jeder Mensch hat gelegentlich Phasen mit träger Verdauung. Das ist meist kein Grund zur Sorge.
Bestehen die Beschwerden länger als 12 Wochen, spricht man von einer chronischen Verstopfung. Dann sollte genauer hingeschaut werden!
Welche Folgen kann eine Verstopfung haben?
Bleibt eine Verstopfung über längere Zeit bestehen, können Folgeprobleme entstehen:
• Hämorrhoiden
• Analfissuren
• Divertikulitis
Dies geht häufig mit einer eingeschränkten Lebensqualität, ständiger Anspannung und einem verminderten Wohlbefinden einher.
Warum Abführmittel keine Dauerlösung sind
Abführmittel können kurzfristig Erleichterung verschaffen, lösen jedoch meist nicht die Ursache der Verstopfung. Treten die Beschwerden regelmäßig auf, sollte nach den zugrunde liegenden Auslösern gesucht werden, anstatt dauerhaft nur die Symptome zu behandeln.
Warum die Ursache entscheidend ist
Viele Menschen suchen nach einer schnellen Lösung. Doch wenn kaum getrunken wird, die Ernährung sehr ballaststoffarm ist und gleichzeitig Bewegungsmangel und Stress den Alltag bestimmen, hilft keine Wunderpille dauerhaft weiter.
Jedes Symptom ist ein Signal unseres Körpers, das wir ernst nehmen sollten. Wenn wir die möglichen Ursachen erkennen und verändern, können sich die Beschwerden häufig verbessern.
Den Darm ganzheitlich betrachten
In meiner Praxis betrachte ich Verdauungsbeschwerden nicht isoliert. Oft kann eine weiterführende Stuhllabordiagnostik sinnvoll sein, um die Darmflora und weitere relevante Faktoren genauer zu analysieren.
Der Darm ist für sehr viel mehr verantwortlich als nur die Verdauung! Er steht mit vielen Prozessen im Körper in Verbindung und kann unter anderem Einfluss auf Wohlbefinden, Immunsystem und Energiehaushalt haben.
Leiden Sie unter Verstopfung oder anderen Darmbeschwerden? Möchten Sie die Ursachen verstehen und nachhaltig verändern? Dann unterstütze ich Sie gerne!
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